Offener Prozess nimmt Arbeit auf

Das Projekt „Offener Prozess“ nimmt die Arbeit im Raum Südwestsachsen auf und beschäftigt sich in den kommenden zweieinhalb Jahren mit der Aufarbeitung der NSU-Verbrechen. Es ist ein Nachfolgeprojekt zum Theatertreffen „Unentdeckte Nachbarn“. Träger des Projekts ist der ASA-FF e.V. in Chemnitz.

Hannah Zimmermann, Projektleiterin, erläutert die Idee: „Wir haben den Projektnamen ‚Offener Prozess‘ gewählt, weil wir überzeugt sind, dass die Aufarbeitung des NSU-Komplexes nicht abgeschlossen ist. Die parlamentarische und die juristische Aufklärung werden dem Anspruch lückenloser Aufklärung nicht gerecht. Außerdem fehlt es an kontinuierlicher gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Mit dem Projekt wollen wir Anstöße liefern die Aufarbeitung fortzusetzen.“

Im Rahmen des Projektes entsteht eine Ausstellung, die die trockene Sprache von Gerichtsprozess und Untersuchungsausschüssen in lebendige Bilder und emotionale Geschichten für ein breites Publikum übersetzen wird. Neben einem Fokus auf Sachsen wird die Ausstellung die Perspektiven der Betroffenen und Überlebenden rechtsterroristischer Gewalt aufgreifen und stärken.

Zimmermann dazu: „Gerade in Sachsen finden die Betroffenen rechtsmotivierter Gewalt kaum Gehör. Das ist oft wie ein blinder Fleck. Diesen gilt es auszuleuchten und in den Mittelpunkt zu rücken. Was zunächst einmal bedeutet, den Betroffenen zuzuhören und ihre Forderungen ernst zu nehmen. Das ist die Pflicht der Gesellschaft, denn die Betroffenen haben ein Recht auf Wahrheit, auf Gerechtigkeit, auf Entschädigung und auf die Garantie der Nicht-Wiederholung.“

Die erste Bildungs- und Vernetzungsreise im Rahmen des Projekts führt daher im Juni 2019 nach Dortmund. „Wir begeben uns auf die Spuren von Mehmet Kubaşık, dem 8. Opfer in der Česká-Mordserie. Uns interessiert, wie es um die Erinnerung an Opfer rechtsmotiverter Gewalt steht, wie postmigrantisches Leben trotz alledem gestaltet wird und was wir davon lernen können“, so Zimmermann.

„Offener Prozess“ versteht sich selbst auch als offener Prozess: „Wir wollen mit dem Projekt kreative Handlungsräume eröffnen und laden dazu ein, diese zu nutzen und gemeinsam mit uns zu gestalten“, so Zimmermann abschließend.

Gefördert wird das Projekt im Rahmen der Programms Weltoffenes Sachsen, sowie vom Lokalen Aktionsplan Chemnitz, dem Landkreis Zwickau, der Amadeu-Antonio-Stiftung und weiterdenken – Heinrich Böll Stiftung Sachsen.